Spacialist – Eine virtuelle Forschungsumgebung für die Spatial Humanities

Die Verarbeitung von Text- und Sprachressourcen mit digitalen Werkzeugen steht im deutschsprachigen Raum im Fokus der Digital Humanities. Nicht-textuelle Ausprägungen der Kultur und deren Verortung in Raum und Zeit finden hierbei in der Regel nur wenig Beachtung. Gerade an dieser Stelle liegt das besondere Potenzial der Verwendung von neuen digitalen Methoden. Diese bieten nun erstmals die Möglichkeit, sämtliche Ausprägungen des menschlichen Kulturschaffens im miteinander in semantische und analysierbare Beziehungen zu setzen. Zugleich ist es mit derartigen integrierten digitalen Methoden nun möglich, bedrohte Objekte und Räume, aber auch immaterielle kulturelle Ausprägungen präzise zu dokumentieren sowie dauerhaft nachhaltig zu bewahren und der Forschung bereitzustellen. Gerade vor dem Hintergrund der infrastrukturellen Entwicklung sowie der mutwilligen Zerstörung des Kulturerbes wird diese Bedeutung nochmals deutlicher.

Projektziel

Das Projekt „Spacialist“ wird im Mai 2016 starten und durch das Förderprogramm „E-Science Baden-Württemberg – Virtuelle Forschungsumgebungen“ für zwei Jahre finanziert werden. Ziel des Projekts ist es, für die raum- und objektorientierten Wissenschaften ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, dass die standardisierte Erfassung und Analyse sowie eine langfristige Archivierung und Nachnutzbarkeit der Daten erlaubt. Ein hoher Standardisierungsgrad sowie eine nachhaltige Vorhaltung der Informationen sind gerade im Bereich der Geisteswissenschaften aufgrund der Unwiederbringlichkeit der Daten von besonderer Bedeutung.

Ergebnisse

Software zur Fundstellenverwaltung für archäologische Surveys

Spacialist wird eine einheitliche, Disziplinen überspannende Softwarelösung zur Erfassung, Verwaltung, Archivierung und Publikation von Forschungsdaten werden, die in raum- und objektbezogenen geisteswissenschaftlichen Forschungsprojekten gewonnen werden. Diese Softwarelösung wird an der Universität Tübingen gemeinsam mit den fachwissenschaftlichen Partnern basierend auf existierenden Softwareprototypen und -systemen (Beispiel s. Bild) weiterentwickelt und in deren Workflow und Semantik integriert werden. Das Werkzeug wird ausschließlich Open-Source-Komponenten verwenden und als freie Software entwickelt werden, sodass die Weiterverwendbarkeit an anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen gewährleistet ist. Das Werkzeug soll einen essentiellen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes in seiner materiellen und immateriellen Ausprägung in nationalen und internationalen Forschungsprojekten leisten.

 

Link zum Spacialist Software-Repository
https://github.com/eScienceCenter/Spacialist

Projektpartner

  • Universität Tübingen
    • eScience-Center (Koordination)
    •  Fachbereich Informatik, Arbeitsbereich Informationsdienste

      •  Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Abteilung für Jüngere Urgeschichte und Frühgeschichte
    • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
    • Archäologisches Institut der Universität Göttingen

    Im Rahmen des Projektes wird ein Konsortium zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit der Projektergebnisse gegründet.