Gaza zur spätosmanischen Zeit

Ziel des Forschungsprojekts "Gaza during the Late Ottoman Period" von Dr. Yuval Ben-Bassat (Universität Haifa, Israel) Prof. Johann Büssow (Universität Tübingen) ist es, die politische, soziale und wirtschaftliche Geschichte der Bevölkerung in der Region Gaza zur Zeit des späten Osmanischen Reichs (1860-1914) zu rekonstruieren. Dies ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der komplexen sozialen Verflechtungen in Palästina und im östlichen Mittelmeer an der Schwelle zur Nationalstaatenära.

 

Bild: Jabal-Munṭār, Blick nach Norden, um 1900. Die Lehmhütten von Shajāʿiyya/Turkumān im Vordergrund unterscheiden sich stark von den Steingebäuden der zentralen Stadtviertel. Der ländliche Charakter des Stadtviertels Zaytūn (im Bild "West town") ist gut sichtbar im Kontrast zu den anderen Vierteln. Quelle: unbekannt.

Bild: Menschen von Gaza

In Kooperation mit Khaled Safi (Al-Aqsa University, Gaza) und Michael Derntl vom eScience-Center Tübingen und mit Unterstützung eines internationalen Teams, werden unterschiedliche Quellen wie der osmanische Zensus von 1905, Petitionen und Sharia-Gerichtsprotokolle analysiert. Dabei liegt der Fokus auf unterschiedlichsten Aspekten, wie etwa die veränderlichen Beziehungen zwischen dem herrschenden Zentrum, den ländlich-urbanen Beziehungen, der Migration und Demographie.

 

Um die umfangreichen Informationen über die Bevölkeruzng Gazas, die aus den oben genannten Quellen extrahiert werden können, zu verarbeiten — der osmanische Zensus alleine liefert Details zu mehr als 3.000 Haushalten und 20.000 Personen in Gaza Stadt — arbeitet das Projektteam mit einer gemeinsam entworfenen relationalen PostgreSQL-Datenbank. Eine webbasierte grafische Benutzeroberfläche auf Basis des vom eScience-Center entwickelten Opensource-Werkzeugs dbWebGen ermöglicht es den Forschern, die historischen Daten strukturiert online einzugeben und kollaborativ zu bearbeiten. Es erlaubt weiters die Durchführung von Datenanalysen (z.B. über die Verteilung sozialer Charaktaristika in den verschiedenen Gegenden der Stadt) und das Generieren von interaktiven Landkarten und sozialen Netzwerkgraphen aus dem Datenbestand.

 

Bild: Ausgewählte Screenshots der grafischen Benutzerschnittstelle zur Datenbank (jeweils anklicken zum Vergrößern).

(a) Tabelle mit
erfassten Personen

(b) Tabelle mit
erfassten Orten

(c) Soziales Netzwerk
einer Person

(d) Einzeichnen von
Stadtteilgrenzen

 

Neuigkeiten über das Projekt können auf der Projektwebseite abgerufen werden. Dort ist auch eine interaktive historische Landkarte des spätosmanischen Gaza verfügbar.

 

Besuchen Sie die Webseite des Projekts unter https://escience-center.uni- tuebingen.de/escience/gaza