Die Digitale Seidenstrasse

Ein Studierendenprojekt in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Ethnologie

Das Seminar ‚Digitale Seidenstraße’ war als Kooperationsprojekt zwischen dem eScience-Center und der Abteilung Ethnologie an der Universität Tübingen konzipiert und wurde im Sommersemester 2015 durchgeführt. Ziel war es, den Studierenden sowohl ethnologische Inhalte, als auch technische Methoden der ‚Digital Humanities’ zu vermitteln.

 

Im Rahmen des Seminars beschäftigten sich die Studierenden daher inhaltlich mit regionalen Märkten, privaten Händlern und Handelswegen, die als informell charakterisiert werden können und ein klassisches Untersuchungsfeld von Ethnologen sind.

 

In der Literatur spricht man im Zusammenhang mit diesen Märkten, Händlern und Handelsbeziehungen auch von einer so genannten “Globalisierung von unten” (globalization from below) oder “grassroots globalization” (Portes 1997; Appadurai 2000; MacGaffey & Bazenguissa-Ganga 2000; Mathews 2011; Mathews & Ribeiro & Vega 2012) und meint damit globale Austauschprozesse, die überwiegend über private Netzwerke, individuelle Initiative und außerhalb staatlicher Regulierungen stattfinden.

 

Regional lag der Schwerpunkt des Seminars auf dem Raum, der von den Handelswegen der alten Seidenstraße geprägt war/ist. Dazu gehören Gebiete der ehemaligen Sowjetunion, wie Zentralasien und der Kaukasus sowie angrenzende Länder, wie der Iran, China oder Afghanistan.

 

Auch heute bewegen sich viele der informellen Händler noch auf den alten Routen aus dem Mittelalter. Doch es werden auch neue Wege eingeschlagen, die entlang sozialer Kontakte zu Verwandten oder Diasporagemeinden konstruiert werden. So werden insbesondere Pfade gewählt, die von großen Handels- und Logistikunternehmen als unrentabel eingestuft werden, wie etwa lange Überlandstrecken, die nicht mehr mit der heutigen Schifffahrt konkurrieren können.

 

Die historischen und ethnographischen Daten wurden schließlich für jedes Projekt in ein Geoinformationssystem (GIS) eingepflegt. Genutzt wurde dafür das Open-Source-Programm QGIS. Die Ergebnisse der besten Projektarbeitsgruppen sind als Webgis-Anwendungen veröffentlicht und bieten die Möglichkeit, individuell zu einzelnen Orten Informationen abzurufen.

Die Arbeitsgruppen haben sich mit folgenden spezifischen Themen beschäftigt:

  • Die alte Seidenstraße
  • Händler an der afghanisch-tadschikischen Grenze
  • Kaukasische Märkte
  • Märkte in Zentralasien
  • Handelbeziehungen nach China

Bibliographie

Appadurai, A. 2000. Grassroots Globalization and the Research Imagination. In: Public Culture, Volume 12, Number 1, Winter 2000: 1-19.

Appadurai, A. 1986. Introduction: Commodities and the Politics of Value. In: Appadurai, A. 1986. The Social Life of Things: Commodities in Cultural Perspective. Cambridge: Cambridge University Press: 3-64.

MacGaffey, J. & Bazenguissa-Ganga, R. 2000. Congo-Paris: Transnational Traders on the Margins of the Law. Bloomington: Indiana University Press.

Mathews, G. 2011. Ghetto at the Center of the World: Cungking Mansions, Hong-Kong. Chicago: University of Chicago Press.

Mathews, G., Ribeiro, G. L. & Vega, C. A. 2012. Globalization from Below: The World’s other Economy. London & New York: Routledge.

Portes, A. 1997. Globalization from Below: The Rise of Transnational Communities. Princeton University Press.

Kontakt

Dr. Susanne Fehlings, Institute of Asian and Oriental Studies, Department of Social and Cultural Anthropology, Universität Tübingen

Dr. Dieta-Frauke Svoboda, eScience-Center, Universität Tübingen